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«Im Nebensinn von Dagmar und Doris», BiglerWeibel
2016, 2-Kanal Videoinstallation, 06:28
Ausstellung: 20. September — 20. Oktober 2018
«Im Nebensinn von Dagmar und Doris» erzählt in formal sorgfältig komponierten Bildern von einer Frauenfreundschaft. Dagmar und Doris, dargestellt von den beiden Künstlerinnen Jasmin Bigler und Nicole Weibel, setzen sich durch gekonnte Beobachtungsgabe in Bezug zueinander und zu ihrer Umgebung. Die das Bild formierenden Körper erhalten eine abstrahierte, fast skulpturale Wirkung ohne dabei den Ausdruck von freundschaftlicher Intimität zu verlieren. Einmal sich in die urbane Architektur einschreibend, ein andermal explizit exponiert, bespielen sie scheinbar unscheinbare Details des Stadtraums.

Einem klaren visuellen Konzept folgend, bilden die einzelnen Szenen eine kohärente Abfolge aus grau und rosa, weichen und harten Materialien im urbanen und naturnahen Stadtraum. Einzelne Elemente wie Haare und Strümpfe und das Aufsaugen und Ausdrücken von Wasser aus Schwämmen kehren immer wieder. Dagmar und Doris sind kompromisslos in ihrer Weiblichkeit und ernsthaft in ihren Gesten, was der humorvoll absurden Leichtigkeit der Arbeit nur zuträglich ist.
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Agenda
2018201720162015201420132012
««Naluns», 2012/ «Zopf auf Erde», 2013 /«Einhämmern», 2013», Franziska Bieri
Ausstellung: 16. August — 15. September 2018
Als Auftakt des Herbstsemesters 2018 zeigt videokunst.ch drei performative Videoarbeiten von Franziska Bieri. Die Künstlerin arbeitet in diesen drei Werken mit Grundnahrungsmitteln die ihrem Zweck entfremdet sind, deren symbolischer Wert dadurch jedoch umso mehr zum Tragen kommt. Eier, Milch und Brot sind seit jeher die Ressourcen landwirtschaftlicher Zivilisation und tragen in der christlichen Ikonografie starke Bedeutungen.

Das Ei gilt als Zeichen des Lebensursprungs, die Milch als Urnahrung der Mutter für das Kind und das Brot wird in der katholischen Messe als wahrhaftiger Leib Christi angesehen. In «Zopf auf Erde» schafft die Künstlerin aus diesen Ressourcen etwas Neues, einen Zopf der jedoch für den menschlichen Verzehr ungeeignet ist. In der Vermischung von Mehl und Milch auf dem freien Feld werden die Stoffe die ursprünglich von ihr ausgehen, wieder der Erde zugetragen. Ein Dienst der Künstlerin an der Natur?

In den zwei anderen Arbeiten sind die Eingriffe destruktiver. Das Zertreten der Eier in «Naluns» führt die Zerbrechlichkeit dieses kraftvollen Symbols vor Augen und stellt gleichzeitig die Rolle des Menschen in dieser Konstellation in Frage. Die imposante Berglandschaft des Engadins unterstreicht diesen Kontrast von Zerbrechlichkeit und Kraft die wir dem Ei als Symbol zuschreiben. Auch das Festnageln des Brotes auf dem Küchentisch in «Einhämmern» hat etwas Gewalttätiges, zumal sich der Sinn der Geste nicht im ersten Moment erschliesst. Eine Lesart ist die der Kritik an der Starrheit von sich wiederholenden Traditionen die uns schliesslich nicht mehr dienlich sind.
«Multiple Contexts», Peter Aerschmann, Gabriela Löffel, Jürg Neuenschwander, Dominik Stauch
Ausstellung: 29. Juni — 03. August 2018
In Kooperation mit der Galerie AroundSpace in Shanghai zeigt videokunst.ch in der Ausstellung «Multiple Contexts» aktuelle Positionen Schweizer Videokunst in China. Von 29. Juni bis 5. August 2018 sind Arbeiten von Peter Aerschmann, Gabriela Löffel, Jürg Neuenschwander und Dominik Stauch in der Galerie AroundSpace in Shanghai ausgestellt.
«Assembly Line Projects: A Packet of Salt», Li Xiaofei
2013, 07:23
24. Mai — 30. Juni 2018
Die Videoarbeit «A Packet of Salt» ist Teil der Serie «Assembly Line Projects» die der chinesische Künstler Li Xiaofei 2010 begann. Die Videos wurden in Fabriken in Norwegen, Schweden, USA, Neuseeland und China gedreht und thematisieren die globalen sozialen Veränderungen durch das Fliessband – für den Künstler das ultimative Symbol des Kapitalismus. Eine Salzfabrik in China bildet den Schauplatz für die dokumentarischen Aufnahmen in «A Packet of Salt». Der historisch, ja fast romantisch anmutende Transport der Salzberge auf kleinen Flossen steht dabei im Kontrast zu den im Video angesprochenen Problemen der Bodenverschmutzung durch die Salzproduktion. Die Frage welche Bedeutung der Ressource Salz, die seit jeher als reinigendes Heilmittel galt und zum Erhalt von Lebensmittel unumgänglich war, im heutigen Postfordismus zukommt stellt uns die Arbeit zwischen den Zeilen.

Eine Kooperation mit der AroundSpace Gallery Shanghai.
«The world», Tian Xiaolei
2007, 04:10
05. April — 19. Mai 2018
«The world» ist eine sehr frühe Animationsarbeit des chinesischen Künstlers Tian Xiaolei. Die schwarz-weissen, abstrakten bewegten Formen ziehen die Betrachterin regelrecht in einen Sog dieser fremden und doch auf eigentümliche Weise bekannten Welt. Der Assoziationsraum wird durch die Geräuschkulisse relativ klar umrissen: die Unterwasserwelt mit Meeresrauschen entwickelt sich zur Umgebung der mechanischen Abläufe einer Maschine die sich schliesslich in Begleitung eines Vogelschwarms in die Luft begibt und mit dem Wind um imposante Hochhäuser kreist. The world zeichnet ein Bild einer zivilisatorischen Entwicklung, von der Darstellung von Fauna und Flora bis hin zu architektonischen und industriellen Mühlwerken der Menschheit.
«Small Paths», Wenfeng Liao
2010, 2-Kanal Videoinstallation, 04:13
22. Februar — 31. März 2018
Gerade in der expliziten Auslassung von Informationen zeichnet Small Paths ein poetisches Porträt der zwei Protagonistinnen. Im Bild links verfolgen wir die Erkundungen einer Ameise, die sich immer wieder aus der Tiefenschärfe der Kamera bewegt. Der für das menschliche Auge extrem vergrösserte Fokus auf die Lebenswelt der Ameise, stimmt uns empathisch für ihr tragisches Schicksal. Rechts ist es die bewegte Kamera, die sich einer Frauengestalt entlang tastet, ohne dabei ihr Gesicht zu zeigen. Wir begleiten die Frau, wie sie durch einen Garten mit Teich spaziert und wundern uns vielleicht, was sie in den hierhin geführt hat. Liao Wenfeng untersucht Texturen und Oberflächen extrem präzise. Mit einem affektiven, fast ethnografischen Blick werden die subtilen, verbindenden Elemente der beiden Videos offengelegt und die Betrachterin auf symbolische Details sensibilisiert.
2018201720162015201420132012
«Protein Fix», U5
2015, 07:39
14. Dezember 2017 — 17. Februar 2018
Die Videoarbeit Protein Tracer gibt Einblick in die reiche Formensprache des Kollektivs U5. Die einzelnen Objekte und Oberflächen des Videos generieren sich aus den installativen Arbeiten. U5 arbeiten mit den unterschiedlichsten Materialen, vom 3D Scan über Wattestäbchen bis zu Plastikboxen von Proteinnahrung und fügen diese in raumgreifenden Ensembles zusammen. Protein Tracer funktioniert in diesem Sinne als Kondensator des kaleidoskopischen Werks von U5.
«Zwischen den Zeiten Lieder Singen II», Dieter Seibt
2017, Videocollage, 17:30
02. November — 02. Dezember 2017
Die starken Charaktere Dieter Seibts manifestieren sich in Zeichnungen, Fotografien, skulpturalen Installationen ebenso wie auf Video. Seine Figuren sind Archetypen der Gewinner respektive der Verlierer im aktuellen Weltgeschehen denen er in seinen Werken eine Bühne gibt. Für die Videocollage «Zwischen den Zeiten Lieder Singen II» wurden einzelne Aufnahmen zusammengefügt und mit Kompositionen der Kapelle Clairmont unterlegt. Es ist ein Potpourri aus bewegten Stilleben von Seibts immer wiederkehrenden Protagonisten und Alltagsbeobachtungen, die in ihrer Trivialität eine ganz eigene Ästhetik erhalten. Die Collage ist somit Dokumentation und neue Werkform zugleich.
«Bubble #6», Mika Rottenberg
2016, 01:40
28. September — 28. Oktober 2017
Die Edition «Bubble 1- Bubble 6» besteht aus Auszügen aus dem Film «NoNoseKnows», den Mika Rottenberg zum ersten Mal 2015 an der 56. Biennale von Venedig präsentierte. Die kinematografischen Videoarbeiten Rottenbergs hinterfragen durch humorvoll grotesken Szenerien heutige postfordistische Produktionssysteme. Ursprünglich sind die Seifenblasen Zwischenszenen eines Films der im Setting einer Zuchtperlenproduktion in China spielt. Die Seifenblasen richten die Aufmerksamkeit auf den Unort des Flurs und werden zur poetischen Klammer im absurden Fabrikalltag. In den kurzen Sequenzen sehen wir Seifenblasen die langsam vor sich hin schweben, sich abenteuerlich verbiegen und schliesslich platzen. Dies geschieht im Setting seltsamer Durchgangsräume mit mehreren Türen, deren farbige Wände über die Tristesse der künstlichen Beleuchtung und spärlichen Einrichtung hinwegtäuschen sollen.
«Inside My Head», Dominik Stauch
2016, 03:47
17. August — 23. September 2017
«Inside My Head» ist eine systematisch komponierte Choreografie aus sechs verschiedenen Formen die nacheinander oder zum Teil überschneidend im Bildraum auf- und wieder abtreten. Die Analogie zum Theater ist naheliegend, da die einzelnen Formen wie verschiedene Charaktere ihre eigene Farbe und ihr gleichbleibendes Bewegungsmuster aufweisen, sich auf die «Bühne» begeben, miteinander agieren und wieder verschwinden. Jeder Form ist eine Tonabfolge eines Holzxylophons zugeordnet. Das Zusammenspiel der Melodien gibt wiederum den Rhythmus der Bewegungen vor. Die klare Struktur wird durch die veränderte Abfolge der Akteure durchbrochen. Neue Farben und Formen entstehen in den Schnittmengen der Ellipsen und lassen komplexe Bildfolgen entstehen. Dominik Stauch versteht die bewegten Farbfelder seiner Videoarbeiten als Referenz zur Malerei. Die anfangs blassen Farben verlaufen mit anderen zu Mischfarben, ähnlich wie in der Technik des Aquarellierens. Die Auswahl der Farben fiel bewusst nicht auf leuchtende, reine Farbtöne, sondern auf Zwischentöne, die jedoch in der Kombination überraschende Effekte ergeben.

Diese optischen Effekte sieht Stauch in Analogie zu unserem täglichen Erleben, wo sich neue Erinnerungen mit den alten überlagern und so das Erfahrene in ein anderes Licht setzen. Wir sind angehalten unser Erlebtes stets neu zu bewerten aufgrund der Eindrücke die dazukommen. Erinnerung ist somit nie eine Abfolge, sondern eine fortlaufende Neubewertung von vergangenen Erlebnissen.
«Potemkin'sche», Erik Dettwiler
2002, 03:20
24. Mai — 01. Juli 2017
Der Titel von Erik Dettwilers Videoarbeit verweist auf den Entstehungsort des Werks, nämlich die Potemkinsche Treppe in Odessa. Diese erhielt ihren Namen durch Sergei Eisensteins ikonischem Stummfilm «Panzerkreuzer Potemkin» aus dem Jahre 1925. Der Film orientiert sich lose an den Ereignissen, die 1905 zum Ausbruch der russischen Revolution führten. Die Treppenszene, in der die zum Hafen strömenden Menschenmassen von der zaristischen Armee skrupellos erschossen werden, wurde zu einem der bekanntesten und meist zitierten Filmmomente. Einer der Gründe, warum dieses frühe Werk die Filmgeschichte revolutionierte, ist Eisensteins damals neue Form der Montage, die nicht so sehr der Narration folgt, sondern sich die emotionale Ansprache der Zuschauer_innen zum Ziel setzt. Dettwiler inszeniert sich in einer Geste von reduzierter Leichtigkeit als schwebender Geist an diesem historisch so bedeutenden Ort und schafft damit seine ganz eigene Hommage an Eisensteins Werk.
«Erfan’s Notebook», David Zehnder
2016, 16:13
06. April — 20. Mai 2017
Die Arbeit Erfan’s Notebook entstand aus einer persönlichen Bekanntschaft des Künstlers mit Erfan, einem jungen Mann aus Afghanistan, den er im Durchgangszentrum in Zollikofen kennenlernte. Mehr noch als über den Fortschritt seiner Sprachkenntnisse, gibt das Notizheft Einblicke über Erfans persönliche Geschichte – seiner Flucht von Afghanistan über die Türkei in die Schweiz. Leergelassene oder ausgerissene Seiten, eine rudimentäre Skizze Europas mit Länderbezeichnungen, Telefonnummern und Emailadressen zeugen von diesem Lebensalltag einer gefährlichen Reise ohne sicheren Ausgang. Mit diesem Hintergrundwissen erhalten vermeintlich banale Lernsätze in Erfans Heft wie «Can I see your passport?» und «Have a good trip» plötzlich eine ganz andere Tragweite. OKRA (Robert Aeberhard und Oli Kuster) haben Erfan’s Notebook einen Soundtrack hinzugefügt. Mit Piano und Field Recordings, Störgeräuschen und verlorenen Harmonien wird Erfans Reise musikalisch nachvollzogen und akustisch erlebbar.
«Mare Mosso», Judith Albert
2015, 03:44
23. Februar — 01. April 2017
Die Videoarbeit «mare mosso» gewährt einen Blick auf ein ruhiges Meeresufer, das in Bewegung gerät sobald die Projektionsfläche aus Papier von den Händen der Künstlerin traktiert wird. Ein Blatt nach dem anderen wird entlang der Uferlinie abgerissen, das zweidimensionale Videobild erweitert sich um die dritte Dimension des sich wölbenden Papiers. Die vom rechten Bildrand eintretende Protagonistin balanciert vorsichtig der Uferlinie und den Wellen des Papiers entlang während sich das leise Meeresrauschen mit dem Geräusch des Reissens vermengt. Ein Stimmungsbild entsteht, das sinnbildlich ist für das Leben, das sich oft als Gratwanderung zwischen den Elementen auf bewegtem Untergrund erweist.
«IT, HEAT, HIT», Laure Prouvost
2010, 07:20
12. Januar — 18. Februar 2017
Die verschiedenen Elemente der Videoarbeit «IT, HEAT, HIT» von Laure Prouvost korrelieren nur teilweise miteinander. Die schnelle Abfolge von Videobildern wird unterbrochen von Text-ausschnitten und bedrohlichen Geräuschen, während die Stimme der Künstlerin aus dem Off einen weiteren Erzählstrang hinzufügt. Alle Informationen aufzunehmen ist unmöglich, die Reizüberflutung somit Teil der Rezeption. Das Stilelement der direkten Ansprache zielt auf die physische Präsenz der Betrachterin und bildet, da eine Narration nur schwer zu finden und schnell wieder verloren ist, die einzige Konstante, die durch die 6 Teile des Videos führt.
«IT, HEAT, HIT» kann als Metapher auf die Aufmerksamkeitsökonomie gelesen werden, auf die Verführung der Medien und unseren Versuch, uns im konstanten Überflutung aus Informationen zu navigieren.
2018201720162015201420132012
«Sweet Noel», Quynh Dong
2013, 07:53
01. Dezember — 23. Dezember 2016
Durch das Thematisieren imaginärer Wirklichkeiten hinterfragt Quynh Dong in ihrer Arbeit die Idee der Repräsentation. Hyper-Realitäten dienen als spielerische Plattformen für kulturelleStereotypen, die bis zum Kitsch überinszeniert werden. In «Sweet Noel» thematisiert Quynh Dong den Transfer von Bildern und kulturellen Objekten in andere Epochen und Medien. Als Vorlage der Videoarbeit diente das Lackgemälde «Vuon Xuân Trung Nam Bac» (1970-1990) des vietnamesischen Künstlers Nguyen Gia Trí. Er orientierte sich dafür am Bildthema «Frauen im Garten», das auch von Monet intensiv bearbeitet wurde, allerdings auf japanische Druckgrafiken seit der Edô-Zeit zurückgeht. Im traditionellen japanischen Theater wurden Frauenrollen von Männern gespielt. Indem Dong den Typus der weiblichen, asiatischen Figur in die Gegenwart führt und mit Referenzen auf die Massen- und Popkultur anreichert, spielt sie auf diese historischen Vorläufer an. «Sweet Noel» bedient explizit ein gängiges Klischee und bezieht sich ganz nebenbei auf die christliche Tradition des Weihnachtsfests.
«Zen for Internet», Com&Com
2014, 05:00
26. Mai — 17. August 2016
«Zen for Internet» ist eine zeitgenössische Interpretation von «Zen for Film» (1962-1964) von Nam June Paik. Die Ikonographie des Internets und des Computers benutzend, zeigt die Arbeit ein endlos drehendes «Loading Wheel» auf einem weissen Hintergrund. Typischerweise ist das «Loading Wheel» ein vorübergehender Zustand bevor das Bild vollständig geladen ist. «Zen for Internet», friert diesen Zwischenzustand ein, der Betrachter sieht nie das gewünschte Bild. Com&Com verstehen diese Arbeit als eine multiple Wiederholung in verschiedenen Medien: Als Website, (www.zen-net.org), als Video in der Endlosschleife, als Gemälde oder als verschiedene Werbeartikel wie Drucke, T-Shirts oder Tragtaschen. «Zen for Internet» existiert in einer Vielfalt von Formaten, wie auch «Zen for Film» in verschiedenen Kontexten existierte, alle in ihrer «authentischen» Art und Weise.
«Montag», Renata Bünter
2012, HD Video, 02:00
14. Januar — 20. Februar 2016
Die Videoarbeit «Montag» gehört zum Werkzyklus «sieben Tage/seven days» von Renata Bünter. Die in Bern lebende Künstlerin hat die Werke nach Wochentagen benannt, weil so das Alltägliche der Handlungen betont wird. «Montag» entführt die Betrachterin in die persönlichen Kindheitserinnerungen der Künstlerin, die von einer ländlichen Innerschweizer Umgebung und einer katholischen Grossfamilie geprägt sind. Die Drehorte, die Kulissen und die Requisiten wurden teilweise originalgetreu übernommen. Für «Montag» malte Rita Siegfried die Aussicht aus dem Fenster nach, so entsteht eine traumartige Illusion des Raumes, ein Moment der Verfremdung. Mit bewegten Bildern in einer klaren künstlerischen Sprache lässt «Montag» die Betrachterin in eine poetische und surreale Welt eintauchen.
2018201720162015201420132012
«Walking with Richard», Dominik Stauch
2014, 21:35
26. November — 19. Dezember 2015
«Walking with Richard» ist eine Komposition von Performance Auftritten und graphischen Videoelementen von Dominik Stauch und hat seinen Ursprung in einer über mehrere Jahre andauernden Beschäftigung des Künstlers mit Richard Wagners Gesamtkunstwerk «Der Ring des Nibelungen». Die Beschäftigung mit dem Werk von Richard Wagner kommt aus der Faszination für die Idee eines Gesamtkunstwerkes. Genau wie Wagner hat Dominik Stauch sein Werk alleine konzipiert, komponiert, realisiert und sogar inszeniert. Es finden sich autobiographische Elemente vermischt mit Literatur, sowie Beziehungen zu Kunst und kulturhistorische Bezüge, welche in die gegenwärtige Zeit transferiert sind. Das Werk fesselt den Betrachter durch ein präzises Wechselspiel von Bild und Ton. Die Dynamik der geometrischen Formen, der Farb- und Klangräume wird zum Seh- und Hörerlebnis. Die Arbeit knüpft an der Tradition des experimentellen Absoluten Films der 1920er Jahre, der Abstrakten bzw. Konkreten Kunst, aber auch an Minimal Art und Pop Art an. Der kontemplative Rhythmus und das Tempo, gepaart mit Poesie und leiser Ironie, erzeugen weite Assoziationsräume, die Platz lassen für eigene Imagination. (Text Bernhard Bischoff, 2015)
«Clima(c)tic Changes #1», Michael Spahr
2015, 5-teiliges Video, 01:00
20. Oktober — 19. November 2015
«Clima(c)tic Changes» ist eine surreale Videocollage des Berner Künstlers Michael Spahr a.k.a. VJ Rhaps. Das gesellschaftskritische Video basiert auf Fotografien von Schweizer Bergen, die sich langsam verändern. Auch die Umgebung der Bergketten verwandelt sich und schafft ein neues Klima, das wiederum die Bergwelt beeinflusst. Immer wieder kommt es dabei zu kurzen Höhepunkten. Thematisiert werden der Klimawandel und die Zubetonierung der Bergregionen. «Clima(c)tic Changes» ist eine düstere Vision des globalen Klimawandels und ein Kommentar zur festgefahrenen Vorstellungen des Alpenmythos.
«Breaking Bread», Janine Mackenroth
2012/2015, 12:12
13. August — 12. September 2015
Bei der Kunstaktion «Breaking Bread» sprengte die Münchner Künstlerin Janine Mackenroth 194 alte, nicht mehr zum Verzehr geeignete Brotlaibe in Anordnung einer Weltkarte (194 Staaten der Erde) in die Luft. Die Gesamtdauer der Explosionen betrug knapp 10 Minuten. Das entsprach im Durchschnitt einer Explosion alle 3 Sekunden, demselben Zeitabstand, in dem ein Mensch auf dieser Welt an den Folgen von Hungersnot sterben muss. Zudem spielt Janine Mackenroth bewusst mit einem Tabu, das täglich stattfindet: Der Vernichtung von Lebensmitteln.
«El Saludo (Der Gruss)», Adela Picón
2008, 05:37
16. Januar — 21. Februar 2015
Jede Begegnung beginnt mit einer Begrüssung. Man begrüsst sich per Händedruck, mit einer Umarmung, einer Geste… Begrüssungen sind eine allgemeingültige Norm, es sind Höflichkeitsrituale, die uns helfen, mit Anderen in Kontakt zu treten und Beziehungen zu stärken. Die Videoarbeit «Der Gruss» (orig: «El Saludo») von Adela Picón zeigt diesen Moment der Begrüssung. Die Begegnungen sind ganz unterschiedlich: teilweise formell, teilweise euphorisch. Doch jedes Mal geht die Begegnung gleich aus: Im Moment der Begrüssung verschmilzt die eine Person mit der anderen, bis nur noch die weisse Leinwand zu sehen ist. Der Gruss» entstand für eine Ausstellung im Historischen Museum Sant Feliu de Guixols (Spanien) in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung der Stadt. Adela Picón interessiert sich für den Umgang mit Andersartigem, sie spielt mit Begriffen wie Tradition, Vergangenheit, öffentliche und private Sphäre, soziale Integration oder dem unreflektierten Anwenden von Normen und Zuschreibungen.
2018201720162015201420132012
«Berg und Beton», Simone Zaugg
2013, 07:39
28. November — 20. Dezember 2014
«Berg und Beton» setzt sich mit der Albigna Staumauer im Bergell, einem Transit-Tal zwischen St. Moritz und Italien, auseinander. Die in performative Videobilder übersetzten historisch-politischen Ereignisse und persönlichen Geschichten hinterfragen die Faszination der Staumauer und die Zwiespältigkeit dieses gigantischen baulichen Eingriffs in das Bergeller Tal. Die Videoarbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Architektur und Natur, zwischen Geben und Nehmen, zwischen Überleben und Leben, zwischen Berg und Beton, zwischen Körper und Arbeit, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Parallel zur Entwicklung von Filmsequenzen wird die Staumauer als Klangkörper akustisch ausgelotet. Erst das Zusammenspiel von Bild und Ton lässt das Publikum die räumlichen und zeitlichen Dimensionen dieses Bauwerkes spüren und nachvollziehen. «Berg und Beton» wurde 2014 für den Berner Filmpreis nominiert.
«Current Status: Declaration», Istvan Balogh
2012, 17:33
24. Oktober — 22. November 2014
Die Videoarbeit «Current Status» ist eine quasi-dokumentarische Arbeit, in welcher der partielle Kontrollverlust der Sprache thematisiert wird: Ein junger Mann, der unter einer starken neurologischen Fehlfunktion, dem Tourette-Syndrom, leidet, liest die 30 Artikel der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte». Durch das ständige Zerhacken des Textes und das unkontrollierte Einschieben von Fluchwörtern – ein typisches Symptom für Tourette – wird auf das defizitäre und kaum eingelöste Versprechen der Menschenrechte hingewiesen. Die Arbeit zeigt hier eine eindeutig politische Komponente. Die Art des Vorlesens repräsentiert den «Current Status» der «Declaration of Human Rights ». Zum anderen nimmt die Arbeit eine Methode der «Arts Incohérents» auf, einer kurzlebigen Kunstbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts in Paris entstand: Hierbei werden bestehende Texte oder Lieder expressiv ausgelotet, indem sie von Personen mit neurologischen Fehlfunktionen wiedergegeben werden.
Istvan Balogh spielt auf subtile Weise mit der Inszenierung, um genau diese in Frage zu stellen. Entlang der Grenze von Kontrolle und Kontrollverlust lässt Balogh neue Bedeutungen entstehen.
«Global Vulva», Myriam Thyes
2009, 6:20
22. August — 30. August 2014
Die Animation «Global Vulva» verbindet weibliche Figuren und Vulva-Symbole aus unterschiedlichen Zeiten, Kulturen und Ländern, und veranschaulicht so die kulturelle Bedeutung des weiblichen Genitals in verschiedenen Kontexten. Im Video zeigt die Künstlerin Myriam Thyes steinzeitliche Ritz-Zeichnungen, die griechische Göttin Baubo, eine geflügelte Frau einer Eiszeit-Kultur in Sibirien, eine irische Sheila-na-gig, die indische Göttin Kali und einen Yoni-Stein, die tibetische Göttin Naljorma Dewa, eine Ahninnen-Statue der lwena aus Angola, die aztekische Göttin Mayahuel, der Schwarze Stein an der Kaaba in Mekka, eine doppelschwänzige Meerjungfrau aus einer Kirche in der Toskana, die schützende Dilukai aus Mikronesien, das Hände-Mudra «Lotus und Biene» in einem Labyrinth, ein Amulett der ägyptischen Göttin Hathor, eine geflügelte Sonnenscheibe, sowie die älteste menschliche Figur, die je gefunden wurde, die «Venus vom Hohlen Fels». Thyes Kunst kreist stets um gesellschaftliche und kulturelle Symbole, um ihre Bedeutungen und deren Wandlungen. Mit der bildhaften Arbeit an Symbolen möchte sie die Vorstellungskraft erweitern, neue Blickwinkel eröffnen und zum Austausch anregen.
«Black Bullets», Jeannette Ehlers
2012, 05:05
13. Juni — 05. Juli 2014
Die dänische Künstlerin Jeannette Ehlers beschäftigt sich in Ihrer Kunst immer wieder mit Sklavenhandel und Kolonialismus. In der Videoarbeit «Black Bullets» thematisiert sie den haitianischen Sklavenaufstand. Die französische Kolonie Saint-Dominique (Haiti) erkämpfte sich 1804 die Unabhängigkeit. Der Sklavenaufstand, der der Revolution vorausging, ist der einzige erfolgreiche Sklavenaufstand der Geschichte. Begonnen hat er mit einer legendären Vodou-Zeremonie in Bois Caïman (Krokodilwald) im Norden von Saint-Dominique. Nach der Legende materialisierte sich während der Zeremonie ein schwarzes Schwein, das in der Folge geopfert und dessen Blut von hunderten von Sklaven getrunken wurde. Das Blut schenkte den Sklaven die Kraft, um für ihre Freiheit zu kämpfen. So entstand die weltweit erste Schwarze Republik: Haiti. Mit ihrer Videoarbeit «Black Bullets» erinnert Jeannette Ehlers an die Geschichte der Sklaverei und würdigt den Akt der Revolution. Das Video wurde in Haiti in der Zitadelle Laferrière gedreht.
2018201720162015201420132012
«Black Magic at The White House», Jeannette Ehlers
2009, 03:46
31. Mai — 06. Juli 2013
In der Videoarbeit «Black Magic at The White House», performt Jeannette Ehlers einen Voodoo-Tanz im Herrenhaus Marienborg, das eine starke Verbindung zum Dreiecksgeschäft hat. Gebaut wurde das Haus im Jahr 1744 als Sommerresidenz für den Commander Olfert Fischer, der es dem Händler Peter Windt verkaufte, der ebenfalls sein Vermögen durch Sklaverei und Zuckerhandel aufbaute und sogar Sklaven in sein Haus in Dänemark brachte. Das Haus wurde noch an weitere Händler dieser Zeit verkauft, die alle ihre Spuren in Marienborg hinterliessen. Auch heute noch spielt das Haus eine wichtige Rolle in Dänemark: als offizielle Residenz des Premierminister des Landes. Das Video ist Teil des Projektes ATLANTIC, mit dem sie ein dunkles Kapitel der Dänischen Geschichte fokussiert: die intensive Teilnahme am Sklavenhandel und Kolonialismus. Mittels digital manipulierten Fotografien bringt sie in poetischer Weise eine kreative Reflektion des dänischen Sklavenhandels.
«Hard Edge Ride», Dominik Stauch
2011, 05:11
26. April — 25. Mai 2013
«BABEL», Peter Aerschmann
2012, 04:00 Loop
04. April — 20. April 2013
2018201720162015201420132012
«vom kühlen Reiz selbsterdachter Welten – f (Q)», Pia Maria Martin
2012, 16 mm auf DVD, 01:00
14. November — 22. Dezember 2012
Im Februar 2012 konnte die Stuttgarterin Pia Maria Martin als erste residency.ch-Künstlerin im Wohnatelier im PROGR_Zentrum für Kulturproduktion in Bern arbeiten. Das Wasser in den Brunnen der Stadt Bern bildete bei minus 14° C riesige Eisberge in den Becken. Inspiriert von dieser Eislandschaft versucht sie diese im Keller des PROGR in einer Kühltruhe nach zu konstruieren. In mehreren Gefrierprozessen, stellt Pia Maria Martin mit Wasser gefüllten Luftballons, Kondomen und OP-Handschuhen ihr eigenes Film-Set her. Die mit einem Motor ausgestatteten Kamera (16 mm Bolex) erlaubte es ihr, mittels eines separaten Schalters, Zeitrafferaufnahmen durchzuführen. Reizvoll fand sie nicht nur den meditativen Aspekt, sondern auch das Experiment die Zeit für sie arbeiten zu lassen.
«Pimpolis», Michael Spahr
2012, 12:00
11. April — 07. Juli 2012
In seiner digitalen Collage PIMPOLIS “pimpt“ (aufmotzen) Michael Spahr Bümpliz (mittelalterliche Schreibweise: Pimpenymgis/Bimplitz) und erschafft eine pulsierende Stadt (griechisch: Polis). Aus hunderten von Fotos, allesamt aufgenommen in Bern-West, kreiert Michael Spahr eine (sub)urbane Traumwelt: Eine Siedlung entsteht, vergeht und verwandelt sich. Das suburbane Dorf wird unvermittelt zur urbanen Metropole; in surrealen Animationen finden spannende Metamorphosen statt. Dabei werden auch stadtpolitische Themen, wie “Gentrifizierung“, “Migration/Multikulturalität“ oder “Zersiedelung“ gestreift.