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«Ornament as the Science of Passionate Disinterests»
2014, Ronny Hardliz
Dauer: 05:40
Ausstellung: 25. Februar — 03. April 2021
Was ist in Deinem Video zu sehen?

// Drei nebeneinanderlaufende Handlungsstränge zeigen mich in scheinbar alltäglichen Bürosituationen: mit geöffnetem Laptop auf dem Tisch, mit konzentrierter Mine einen Text lesend, stehend vor dem Pult. Erst beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass hier andere Kräfte wirken, der gezeigte Boden eigentlich Wand ist und der vermeintlich Sitzende oder Stehende stattdessen liegend vom Fussboden aus agiert.

Allzu bekannte Szenen im derzeitigen Lockdown, der zahlreiche Angestellte in die Isolation des Homeoffice zwingt. Geht es hier demnach um Corona-Kunst, die sich mit den Zwängen und der erdrückenden Last des Lockdowns in der Pandemie beschäftigt?

// Nein, das Video ist bereits 2014 entstanden. Es geht darin um Kräfte, die auf uns wirken, ohne dass wir sie unmittelbar beeinflussen können. Klimawandel, Migration, Digitalisierung, sie sind als Bedingung einfach da. Beim Lesen eines Buchs setzen wir uns bewusst sprachlichen Kräften aus. Neben dem Sexualtrieb ist die Gravitation vielleicht die wirkungsvollste und rätselhafteste, unbedingte Kraft. Die Gravitation lässt sich nicht ausschalten. Man kann aber mit ihr umgehen, sie scheinbar annullieren. Ich verwende die Gravitation im Video als eine künstlerische Bildstrategie, um Möglichkeiten der Entkräftung von Kräften zu untersuchen.

Was ist damit gemeint und wie zeigt sich das in Bezug auf die momentane Lage?

// Ich nenne solche Kräfte «affektlos», da sie auf uns wirken, ohne uns zu fragen. Das ist der universelle Kern des Videos, der als Sinnbild unseres Slapstick-artigen Umgangs mit dem Virus und den uns auferlegten Einschränkungen interpretiert werden kann. Wie Buster Keaton vollführen wir mit ernsthafter Mine die ornamentalsten Verrenkungen.